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Den Trainingsplan
habe ich genau eingehalten. Am Mittwoch noch eine Fahrt mit mäßiger
Belastung, Donnerstag nur mehr lockeres Grundlagenausdauertraining, Freitag
Ruhetag und Samstag 1 Stunde Ergometer bei niedriger Belastung.
Also, größtmöglichste Schonung vor dem Ereignis ist angesagt.
Um den Körper eine optimale Ruhephase, sprich Schlaf, zu verschaffen,
wird schon am Vortag zum Zentrum des Geschehens angereist.
Als wir (ich,
mein Bester Erwin und Mitkämpfer Peter) aus dem Moosbrucktunnel auftauchen,
fällt unsere Kinnlade mindestens bis zum Knie. Nicht wegen der Maut
von €5,--, sondern prasselndes Nass pocht auf die Windschutzscheibe.
Plötzlich werden Erinnerungen an die Salzkammergut-Trophy in Bad
Goisern im Vorjahr wach.
Im Ortszentrum von Bad Mitterndorf wird die große Bikerparty ins
Innere des Posthotels verlegt, wo man offensichtlich nicht daran gewöhnt
ist, so viele hungrige Bikermäuler auf einmal zu stopfen. Nach Einlösen
des Kaiserschmarr`n-Gutscheins beschlossen wir, das Risiko einzugehen,
und uns noch ein Bierchen in der hiesigen angepriesenen Disco "Take
Five" zu genehmigen. In einer etwas verschluderten Atmosphäre
genossen wir die Live-Musik (- wirklich gar nicht schlecht! -) bis 10:00
Uhr, denn dies ist die optimale Zeit, sich dem Beat zu entreißen
und angesichts der morgigen Strapazen, unsere Pension aufzusuchen.
Am nächsten
Morgen betrete ich nach der Schilderung des Alptraums von Erwin (ihm riss
ein Schaltseil während des Marathons) voller Sorgen den Frühstücksraum.
Gibt es Müsli und Vollkornbrot? Verstohlene Blicke wandern über
die Teller der Mitpensionsgäste. Erwin braucht nach seiner turbulenten
Nacht (Schaltseil) viel Energie: fünf Scheiben Brot und eine große
Schüssel Müsli sollen ausreichen.
Nun ist es
jedoch an der Zeit, Material und Mann/Frau für den Einsatz vorzubereiten.
Luft einpumpen, Startnummer montieren, Zeitchip anbringen, Höhenprofil
auf Lenker kleben, Camel-Bak befüllen, viermal aufs Klo gehen, alle
drei Minuten die Regenwolken beobachten und nebenbei vorsichtshalber noch
einen Powerbar kauen.
Aufgrund
meines roten Taferls darf ich gleich hinter Pospichal & Co wegstarten;
gemischte Gefühle von Wichtigkeit und gleichzeitig der Angst, nach
dem Startschuss überrollt zu werden, herrschen. Doch jetzt bleib
cool, fahr dein eigenes Tempo. Lass den Schnelleren die anfängliche
Freude, dich zu überholen. (Wieso keuch ich denn plötzlich so
viel??)
Es dauert die gesamte erste Steigung lang, bis das Gewurle abnimmt und
ich mich von ebenbürtigen Fahrern umgeben fühle. Diese hart
erkämpfte Position verlier ich jedoch mit einem Schlag auf der Tauplitzer
Downhillstrecke. Ein Jammerbild, wie ich diese Wiesenpiste hinunterrutsche.
In diesem Moment schäme ich mich dafür, mich je zu der Spezies
der Mountainbiker(innen) gezählt zu haben.
Dieses Debakel setzt sich auf den folgenden schlammigen Waldpassagen fort.
Aus unerklärlichen Gründen begann ich den knöcheltiefen
Schlamm zu durchwandern statt die Füsse im Trockenen, also am Pedal
zu lassen.
Genau in diesem Moment, am Tiefpunkt meines gesamten Marathons, überholt
mich Erwin. Tollkühn schwing ich mich wieder in den Sattel und folge
seinem Hinterrad. Das Durchqueren der Schlammmassen per Rad gestaltet
sich - wie sich nun herausstellt - einfacher als per Sidi-Radschuh.
Von diesem Moment an, lasse ich Erwin nicht mehr aus den Augen. Wie ich
seinem kurzen Statement zum bisherigen Lauf entnehmen kann, hat das ausgiebige
Frühstück nicht die notwendige Energie geliefert, vielmehr liegt
es schwer im Magen und macht mit etwas Übelkeit ab und zu auf sich
aufmerksam.
Die beiden
letzten Berge meistern wir im Team bravourös. Hier vermeine ich sogar,
die berüchtigten Glücksgefühle wahrgenommen zu haben.
10 m vor dem letzten Berggipfel reißt mich plötzlich eine vorbeirasende
Konkurrentin, die wie aus heiterem Himmel auftaucht, aus der Trance.
Erwin und ich aktivieren ein letztes mal die gesamte Beinmuskulatur und
sonst noch alles und passieren mit einer Zeit von 4:28 Uhr das Ziel.
Trotz Überlegungen am Vortag, ob ich meine Freizeit nicht anderweitig
verbringen solle, grinse ich jetzt wie ein Hutschpferd und bereue keinen
gefahrenen Kilometer.
Fazit: wann
ist das nächste Rennen?
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